 - Berliner Zeitung, 12.07.2007
Insolvenzverwalter zahlt Millionenkredit zurück
Jürgen Schwenkenbecher
POTSDAM. Wenn es um Beispiele für Pleite-Projekte geht, wird Brandenburg wohl noch eine Weile mit dem Luftschiffbauer Cargolifter leben müssen.
IZiB: Manchmal kann man schon wirklich verzweifeln. Da werden den Journalisten seit Jahren Informationen angeboten mitsamt den gesammelten Beweismaterialien und dem Angebot, dies kritisch gegenrecherchieren zu lassen. Aber das ist keine Nachricht. Und dann kommt ein Insolvenzverwalter mit wirklich leicht zu durchschauender Propaganda daher und das wird unkritisch durchgewunken und veröffentlicht.
Am 12.07.07 fand man diesen kurzen Artikel zu CargoLifter in der Berliner Zeitung - kurz, aber eines Kommentars würdig:
Insgesamt mehr als 52 Millionen Euro steckte das Land in das Unternehmen, das vor fünf Jahren Insolvenz anmelden musste.
IZiB: Falsch daran ist allein schon die Darstellung, dass das Land Brandenburg Fördermittel in dieser Höhe ausgegeben hätte. 75 % des Hauptförderkredites von 38 Mio. im Rahmen des Werftbaus auf dem Brand kamen vom Bund und der EU. Das Land war dabei nur die durchreichende Verwaltungsstelle.
Interessant ist dabei sicher auch die Frage, durch welches sicherlich ausgeklügelte Rechenmodell die „insgesamt mehr als 52 Millionen“ zustande kommen.
Immerhin gibt es jetzt auch gute Nachrichten - ein seinerzeit vom Land ausgereichter Millionenkredit ist jetzt vollständig und mit Zinsen zurückgezahlt worden, wie das Wirtschaftsministerium gestern der Berliner Zeitung bestätigte. Genau 4,148 Millionen Euro überwies Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning im Dezember an die Landesinvestitionsbank. Brandenburg hatte das Geld im Sommer 2002 nach heftiger Diskussion als staatliche Rettungshilfe bereitgestellt, um das Insolvenzverfahren abzusichern.
IZiB: Nach heftiger Diskussion ist gut. Diese 4 Miollionen könnte man auch als so etwas wie den Kaufpreis für CL bezeichnen. Denn an diesen Massekredit war die Bedingung geknüpft, dass Herr Mönning starker Insolvenzverwalter wurde und Herr von Gablenz zurücktreten musste. Das wiederum ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass das CL-Management einen ausgewiesenen Sanierer als Insolvenzverwalter vorgeschlagen hatte, ihm aber mit Mönning ein Plattmacher vorgesetzt wurde, welcher dann im Dienste seiner Gönner eben nicht die insolvenzauslösende Forderung der ILB angefochten hat und dadurch die dominante Stellung der ILB und des Wirtschaftsministeriums – damals noch unter Fürniß – im Gläubigerausschuss zementiert hat.
Nicht mal ein sonderliches Risiko ist das Land damit eingegangen, da derlei Massekredite eine vorrangige Stellung vor allen anderen Verbindlichkeiten eines insolventen Unternehmens einnehmen.
Nach Angaben Mönnings können wahrscheinlich auch sämtliche Kosten des Verfahrens, die sogenannten Massekosten, sowie Masseschulden aus der Insolvenzmasse beglichen werden. Dazu zählen unter anderem Gerichts- und Gutachterkosten sowie die Kosten des Insolvenzverwalters selbst.
IZiB: Das heißt dann wohl im Klartext, er möchte sich seine eigenen Rechnungen ausbezahlen, z.B. die rund 500.000 € (in Worten: fünfhunderttausend Euro) für seine ersten 2 Monate Arbeit als vorläufiger Insolvenzverwalter. Oder die Anwaltsgebühren für die vielen von vornherein aussichtslosen Prozesse (Frage eines Richters an den Vertreter des Insolvenzverwalters im Rahmen einer Verhandlung gegen einen ehemaligen CL-Mitarbeiter, mit dem gleichzeitigen Hinweis, dass dieser Prozess wohl kaum anders ausgehen dürfte als die bereits am gleichen Gericht geführten Prozesse gegen die Kollegen des Beklagten: „Wie lange wollen Sie dieses Spiel eigentlich noch betreiben?“)
"Wir konnten auch allen Lohn- und Sozialplanansprüchen nachkommen", sagte Mönning. Selbst die Gläubiger mit Sicherungsrechten - Banken, die ihre Ansprüche in Grundbüchern abgesichert hatten - seien befriedigt worden.
IZiB: Damit ist dann wohl in erster Linie die Forderung der ILB gemeint, die sich erst 2002 nachträglich für frühere Förderungen hat ins Grundbuch eintragen lassen - als Bedingung für weitere Förderzusagen, die dann aber nie kamen. Die Forderung, die die ILB überhaupt in den Gläubigerausschuss gebracht hat und die erstaunlicherweise nie in ihrer Höhe vom Insolvenzverwalter bestritten wurde, obwohl es durchaus Ansatzpunkte dafür gibt.
Am Ende des Verfahrens könne sogar "eine Quote" in unbekannter Höhe an die übrigen Gläubiger ausgezahlt werden. Wann das sein wird, ist völlig offen. "Das Insolvenzverfahren wird noch Jahre dauern", erklärte Mönning und verwies auf noch nicht abgeschlossene Haftungsprozesse gegen die drei Ex-Vorstände der Cargolifter AG.
IZiB: Er wird schon noch ein paar Verfahren finden, mit denen er seine Kanzleikollegen noch eine Weile beschäftigen und bezahlen kann. Aber auch hier stellt sich dem aufmerksamen Betrachter die Frage, wie aussichtsreich und damit sinnvoll solche Verfahren sind, nachdem das Management bereits von der Potsdamer Schwerpunktstaatsanwaltschaft einen 1A-Freispruch erhalten hat, da diese keinerlei Verfehlungen feststellen konnte?
Insgesamt hatten 264 Gläubiger nach der Insolvenz Forderungen in Höhe von fast 80 Millionen Euro angemeldet. Knapp 20 Millionen Euro erbrachte der Verkauf der riesigen Werfthalle, die von malaysischen Investoren zum Spaßbad Tropical Islands umgebaut wurde. Etwa 1,5 Millionen Euro kamen durch die Versteigerung des Cargolifter-Inventars in die Kassen.
IZiB: Vergessen hat er dabei wohl, dass allein rund 10 Mio. Euro Wert bzw. Versicherungssumme durch seine Fehlentscheidungen bei der Zerstörung des CL 75 und etwa 1 Mio. durch sein Missmanagement beim Verkauf des Skyship 600 für die Masse verloren gingen.
"Ein exklusives Stück habe ich noch im Angebot - den Schneidetisch", sagte Mönning. Das 268 Meter lange Gerät, das die Hüllen für den Cargolifter zuschneiden sollte, verstaubt in einer Lagerhalle. Mönning: "Das werde ich wohl nie los."
IZiB: Nun, der Schneidetisch ist zweifelsohne ein sehr spezielles Gerät. Doch Herr Mönning ist auch nicht gerade ein begnadeter Verkäufer, der versucht, im Sinne der Gläubiger, die er vertritt, einen guten Verkaufspreis für die Massegegenstände zu erzielen. Wohl kaum ein anderer Anbieter sonst würde wohl öffentlich die größten Posten in seinem Angebot schlecht reden, indem er behauptet, das Versuchsluftschiff Joey sei fluguntauglich oder die Halle sei zu nichts zu gebrauchen und müsse abgerissen werden. Oder der die größten Wertbestandteile des Skyship 600, nämlich die vorhanden Lizenzen, erst verfallen lässt, bevor er sich ausbummelt und ein lange bestehendes Angebot annimmt - natürlich mit drastisch geringerem Erlös!
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